Cafe Palestine Freiburg e.V. ist ein politisch- kulturelles Forum, das über die Situation im Nahen Osten berichten, persönliche Schicksale vorstellen und namhafte Referenten zum Thema einladen möchte. Die kulturelle Vielfalt Palästinas soll durch kleine Konzerte, palästinensische Folklore, Literatur und Kunst gezeigt werden.

Freitag, 7. Mai 2010

Über Uns- von Dr. Gabriele Weber


Die Idee des“ Cafe Palestine“ stammt direkt aus Palästina, genauer gesagt aus der Westbank. Ziel ist es, überall auf der Welt Palästina-Cafes entstehen zu lassen, um in den so wichtigen Dialog zu treten und auf das Schicksal der PalästinenserInnen aufmerksam zu machen.  Vor einigen Wochen haben unsere Schweizer Freunde das erste Cafe Palestine in Zürich gegründet. Die Idee hat mich sofort begeistert und ich habe – gemeinsam mit Annie - beschlossen, einen Versuch in Freiburg zu starten. Freiburg ist somit die erste Stadt in Deutschland, in der ein „Cafe Palestine“  stattfindet.
Ich selbst bin keine Politikerin, keine Historikerin, keine Diplomatin und keine Spezialistin für den Nahostkonflikt. Ich bin Ärztin aus Leidenschaft, aber in allererster Linie Mutter von drei deutsch-palästinensischen Kindern, denen der Nahostkonflikt einen großen Teil ihrer Identität raubt. Die gesamte Familie meines Mannes lebt in Gaza, er – als ältester Sohn – ist  der einzige, der nicht im größten Freiluftgefängnis der Welt eingesperrt ist, sich aber oft wünscht, es doch zu sein, um bei seiner Familie sein zu können. Seit 10 Jahren konnten weder wir in den Gazastreifen hinein, noch jemand von der Familie hinaus. Es ist sogar so, dass fast keiner der Großfamilie jemals die Gelegenheit hatte, den Streifen zu verlassen.
Für mich gibt es drei Schlüsselerlebnisse, die dazu geführt haben, dass ich nebenbei als Netzwerkerin arbeite, Informationen zu Palästina-Israel ca. einmal wöchentlich verteile und Veranstaltungen organisiere:
1.       Meine erste Reise nach Gaza 1994, mit unserer damals eineinhalbjährigen Tochter, hat mich durch viele kleine und größere Erlebnisse  zum allerersten Mal in meinem Leben damit konfrontiert, was es bedeutet wehrlos und schutzlos ausgeliefert zu sein und gedemütigt zu werden . Der Eindruck, dass Palästinenser für israelische Soldaten noch weniger wert sind als Hunde, hat sich tief in mein Bewusstsein eingegraben.
2.       Das 2. Schlüsselerlebnis ereignete sich fast genau vor 2 Jahren, im Mai 2008. Wir versuchten über die ägyptische Grenze bei Rafah in den Gazastreifen einzureisen, um zum ersten Mal seit damals acht Jahren endlich wieder die Familie  sehen zu können. Über das Fernsehen hatten wir in Kairo davon erfahren, dass die Grenze für drei Tage lang geöffnet werden sollte, um Kranke und Verletzte aus dem Gazastreifen nach Ägypten bringen zu können, die dringende medizinische Versorgung brauchten. Doch wie bitter war die Enttäuschung  als wir nach stundenlangem Bemühen feststellen mussten, dass die ägyptischen Soldaten kein Erbarmen haben würden. Selbst das Angebot meines Mannes, dass man ihn gefesselt zur anderen Seite der Grenze bringen solle, damit er wenigstens seinen Vater, der seit Stunden auf uns wartete, sehen kann, stieß auf unerbittliches NEIN. Vielleicht können Sie sich die Verzweiflung und die Tränen vorstellen, die uns alle überfluteten, als wir unverrichteter Dinge mit Gaza telefonierten und erklären mussten, dass wir nicht kommen würden.
3.       Die grausame Militäroffensive Israels gegen den Gazastreifen im Dez./Januar 08/09  hat uns als Familie stark traumatisiert. Wir erlebten in unseren wenigen möglichen Telefonaten live mit, wie die Bomben im Hintergrund fielen, wie verzweifelt unsere Familie war, da es kein Wasser gab, mit dem man die Staubauflagerungen der Gas- u. Phosphorbomben abwaschen konnte. Sauberes Trinkwasser, mit dem man den durch die Bomben ausgelösten schrecklichen Durst löschen konnte gab es sowieso nicht mehr. 
Diese persönlichen Berichte standen in keinem Verhältnis zu der deutschen offiziellen Berichterstattung und ich begann mich zu fragen, wie es möglich ist, dass wir als Zivilbevölkerung es zulassen können, tagein tagaus durch Fehlinformationen an der Nase herumgeführt  und mit Lügen oder  Halbwahrheiten abgespeist zu werden. Ich begann – aus dieser absoluten Ohnmacht und Hilflosigkeit der Familie in Gaza gegenüber – Informationen im Internet zu suchen und zu versenden und mache dies bis heute regelmäßig. Mein „Verteiler“ wächst ständig. Andere Gruppen verbreiten meine Rundmails wiederum weiter, so dass immer mehr Menschen angesprochen werden.  Auch die Schweiz, Frankreich, Österreich, Holland und seit neuestem auch Belgien, sind mit von der Partie.


1 Kommentar:

  1. Aufruf zur Antikriegsdemonstration zum Qudstag

    am Samstag, den 4. September 2010

    Treffpunkt: 14.30 Uhr am Adenauerplatz
    Wegstrecke ab 15.00 Uhr: über Kudamm, Joachimstaler Strasse, Kantstrasse bis Savigny-Platz (Abschlusskundgebung)

    Der Weltkrieg ist voll im Gange, was nun?
    den neuen Teil des dritten Weltkrieges gegen den Iran verhindern und die laufenden Teilkriege beenden!
    Terror und Gewalt stoppen, Vertrauen und Frieden verbreiten!
    Hass und Feindschaft bekämpfen, Vernunft sprechen lassen!
    Die kriegstreibenden Politiker/innen abwählen. Die Demokratie retten!
    Vor allem Millionen Menschenleben retten!

    Die Antikriegsdemonstration am Qudstag ist der Marsch für den Frieden. Die „Herren der Welt“ suchen anscheinend, nach alten Rezepten aus dem 20. Jahrhundert, den Ausweg aus der selbstverschuldeten Krise im Krieg. Die Vernunft sagt uns, dass die Wirtschaft dem Wohlstand und das Militär der Sicherheit für die Menschen dienen soll. Aber wenige tausend unter uns 6,5 Milliarden Menschen verfügen unberechtigter Weise über den größten Teil der materiellen Macht.
    Seien es Politiker, Staatsmänner u. Staatsfrauen oder die Mächtigen der Wirtschaft. Sie scheinen fest entschlossen, schrittweise einen dritten Weltkrieg mit Millionen von Toten und weiteren verheerenden Folgen zu führen.
    Ein Krieg, der schon 2001 begann und etappenweise fortgeführt wird. Afghanistan, Irak, Libanon, Palästina, Pakistan, Jemen, Sudan und nun Iran.
    Was für ein Zufall, dass alle Teilkriege vom Westen, also von den „freiheitlich demokratischen“ Staaten und ihrem Vorposten in der islamischen Welt, nämlich von Israel, ausgehen. Wiederum rein zufällig wird Krieg gegen die islamischen Länder geführt! Sind wir schon bei der Inszenierung der „Clash of civilizations“?
    Oder befinden wir uns bereits mitten in den neuen, modernen Kreuzzügen? Dabei ist eins sicher: der erste Verlierer des dritten Weltkrieges ist die Demokratie, die dem blutigen Wahnsinn der Mächtigen geopfert wird.
    Wir dürfen unser eigenes Schicksal und das der gesamten Menschheit nicht den bösen Kriegstreibern überlassen!
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