Cafe Palestine Freiburg e.V. ist ein politisch- kulturelles Forum, das über die Situation im Nahen Osten berichten, persönliche Schicksale vorstellen und namhafte Referenten zum Thema einladen möchte. Die kulturelle Vielfalt Palästinas soll durch kleine Konzerte, palästinensische Folklore, Literatur und Kunst gezeigt werden.

Mittwoch, 3. November 2010

Austellung: Die Nakba - Flucht und Vertreiburg der Palästinenser 1948 - Stadt Freiburg vertreibt die Vertriebenen















Reaktionen auf die Absage/ die Nakba Ausstellung :

Die Stadt Freiburg zu dem Thema


Palestina Portal

TV Südbaden

Badische Zeitung

Junge Welt





Nach einem Artikel in der kostenlosen Zeitung: der Sonntag, der leider nicht digital vorhanden ist,
schrieb Berthold Lange von der Kant Stiftung:








                                                                                                           7. November 2010

Sehr geehrter Herr Riexinger,

wie fühlen Sie sich nach Ihrer Dienstleistung in Sachen "political correctness"?

Faktisch natürlich auf der sicheren Seite der Sieger!
Aber als Journalist, der lieber diffamiert als recherchiert?
Können Sie da noch in den Spiegel schauen, ohne zu erbleichen?

Sie beginnen ja zunächst ganz vorsichtig: mit der Qualifizierung "emotional".
In Ihrem Studium hätten Sie aber lernen können: Man kann emotional  u n d  rational  im Recht sein.

Sie schreiben statt von Kritik von "Verhöhnung" der Mitarbeiter des Presseamtes der Stadt.
Wer hat dort eigentlich wen verhöhnt? - Und um wie viele Mitarbeiter geht es?

Sie distanzieren sich von Frau Dr. Webers emotionaler "Geißelung" des mörderischen Vorgehens des israelischen Militärs gegen die Gaza - Flotte, welche gegen die Ghetto-isierung Gazas demonstrierte. Sind Sie die Autorität, internationale Untersuchungsergebnisse und Fakten ignorieren oder beiseite schieben zu können?

Wo hätten Sie als Journalist wohl zwischen 1933 - 1945 gestanden?
Auch auf der Seite der Mächtigen und des zuvor gepflegten  "gesunden Volksempfindens" bzw. der Ignoranz?

Ich ging immer davon aus, ein guter Journalist stehe heutzutage auf der Seite der Aufklärung und nicht im Dienst einer opportunistischen Staatsraison und scheinheiliger
„Vergangenheitsbewältigungs“- Rituale auf Kosten Dritter.

Sind die "Verhältnisse" im Sinne Brechts für den Provinz-Journalisten inzwischen so fatal, dass er sich in solcher Weise (euphemistisch ausgedrückt) anbiedern muss? "Erst kommt das Fressen, und dann kommt die Moral!"?

Natürlich muss man an unsere Stadtoberen etwas andere Maßstäbe anlegen, wenn man sie erst einmal in die Situation gebracht hat, sich mit einer bestimmten Auswahl von Fakten und einer kritischen Beleuchtung bestehender Verhältnisse - quasi von Amts wegen -


identifizieren zu müssen. Doch auch das hätte sich mit einem echten "runden Tisch", mehr Rückgrat oder einer distanzierenden Eingangstafel vermeiden lassen.
(Was den deskriptiven Charakter der Ausstellung betrifft, genügt es hier, sich auf die moralische Autorität Prof. Tugendhats zu berufen.)

Stattdessen wurde es zur Stunde der Intriganten und Denunzianten.

Und da setzen Sie sich nun noch drauf, indem Sie eine Frau herabzusetzen suchen, die sich neben ihrer Berufstätigkeit nicht nur um ihre wohlgeratenen Kinder kümmert, sondern ununterbrochen bis an die Grenzen physischer Belastbarkeit für menschlichere Verhält-nisse in Palästina engagiert, gerade um latentem Hass und  Gewalt etwas entgegen zu setzen.
(Soll das Ihre LeserInnen in der verbreiteten Haltung bestätigen: "Ruhe und Konsum ist eure einzige Bürgerpflicht!"?)

Frau Dr. Weber zu unterstellen, sie wolle die Existenz des Staates Israel in Frage stellen,
ist einfach infam und zeugt davon, dass Sie sich anmaßen, über Dinge zu schreiben,
über deren Hintergründe Ihnen die Kenntnisse fehlen.

Doch vielleicht erklären Sie Ihren Lesern in einer Ihrer nächsten "Worte zum Sonntag" einmal, wie aus einem von ständig neuen israelischen Siedlungen perforierten Rest-Palästina mit einem davon losgelösten Gaza, dessen politische Vertreter gegeneinander in Stellung gebracht wurden, ein zweiter Staat entstehen kann und soll. Schon mal daran gedacht, dass dies Versprechen lediglich als Alibi zur Verschleierung bei der Schaffung vollendeter Tatsachen dienen könnte?

Welches glaubwürdige Zukunftsrezept hätten denn Sie für einen Staat, der sich inzwischen immer ungenierter - wie einst Südafrika - rassisch, keineswegs aber rechtsstaatlich (oder religiös) definiert? 

Es wäre schön, Sie könnten Fehler zugeben.

Da ich davon jedoch nicht ausgehen kann, mache ich Sie hiermit darauf aufmerksam, dass
ich mein Schreiben an Sie als offenen Brief behandeln werde.

Mit freundlichen Grüßen
Berthold Lange










































"(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.Eine Zensur findet nicht statt."(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland,Artikel 5)
Ein weiteres düsteres Kapitel in der Geschichte der deutschen Meinungsfreiheit und Demokratie geht heute zu Ende. Die Stadt Freiburg hat durch eine Mitarbeiterin des zuständigen Dezernats II, mitteilen lassen, dass die NAKBA-Ausstellung, die am 12.11.10 in der Stadtbibliothek Freiburg unter der Schirmherrschaft der Holocaust-Überlebenden Hedy Epstein eröffnet werden sollte, nicht in städtischen Räumen stattfinden wird. 

Offizielle Begründung: "Es ist zwar alles richtig, was dort gesagt wird, aber es fehlen einige Aspekte" (Mitarbeiterin des Dezernats II). Ein "runder Tisch" mit TeilnehmerInnen der Stadtbibliothek, des Pressereferates, des Rechtsamtes sowie des Schuldezernats, dem die Stadtbibliothek untergeordnet ist, befand heute, dass die Stadt - immerhin neun Tage vor der Eröffnung und nach Drucken und Veröffentlichen der Programme - ursprünglich gemachte Zusagen nicht einhalten würde. Und dies obwohl alle nötigen Unterlagen (inclusive des Begleitkataloges der Ausstellung mit ALLEN Postern und deren gut lesbarem Inhalt) bereits seit Mitte September vorgelegen hatten, die Veranstalterin auf möglichen "Gegenwind" aus bestimmten Kreisen aufmerksam gemacht hatte und die Zustimmung des Dezernats II als übergeordneter Behörde durch die Stadtbibliothek eingeholt worden war. 
Der im Pressereferat der Stadt für die Veröffentlichung des Freiburger Amtsblattes zuständige Mitarbeiter fühlte sich nach Erhalt des fertig gedruckten  Stadtbibliothek-Programms, dazu berufen, dafür zu sorgen, dass - ganz im Sinne der Israellobby - der Bildungsauftrag der Stadt, was die Darstellung des Nahostkonfliktes angeht,  erfüllt wird.  Um diesem großen Auftrag gerecht zu werden, scheute er auch nicht davor zurück, die Schirmherrin der Veranstaltung, Hedy Epstein, als Teilnehmerin einer terroristischen Vereinigung (Free Gaza) zu betiteln. Diese Aussage wiederholte er in einem Telefonat, mit Evelyn Hecht-Galinski. In einem geistigen Höhenflug bezeichnete der gleiche Pressereferatsmitarbeiter E. Hecht-Galinski  als "benutzte Jüdin". 
 Mehrfache Versuche,  die zuständigen Personen des Dezernats telefonisch zu erreichen, wurden dadurch unterbunden, dass man mitteilte, die entsprechenden Gesprächsteilnehmer würden sich NACH der Entscheidung am runden Tisch telefonisch melden. Somit ist das Verfahren des "Runden Tisches" in unserem Fall ein nur scheinbar demokratisches Verfahren, denn die Veranstalter (Cafe Palestine Freiburg) wurden ausgeschlossen und man weigerte sich, ihre Argumente zur Kenntnis zu nehmen. Den Mitarbeitern der Stadtbibliothek wurden Äußerungen zur Sachlage untersagt. 
Die Verantwortlichen im Freiburger Rathaus sollten aufhören, ihre Augen vor der Tatsache zu verschließen, dass in der deutschen Öffentlichkeit bisher in aller Regel die Ereignisse des Jahres 1948 einseitig aus zionistischer bzw. israelischer Sicht dargestellt werden. Die NAKBA-Ausstellung zielt darauf, diese Einseitigkeit zu überwinden und einen Impuls zur längst fälligen Auseinandersetzung mit dem verdrängte Leiden der  Palästinenser zu geben. Doch ohne die Kenntnis und ohne eine gebührende Anerkennung dieser Seite des Konflikts werden Aussöhnung, Gerechtigkeit und Frieden im Nahen Osten keine Chance haben.


Dr. Gabriele Weber, Cafe Palestine Freiburg

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